'So, fertig' denke ich, als ich den letzten Textabsatz des komplexen Aufsatzes in den Fragebogen kopiere. Fast 2 Tage habe ich an der Umstrukturierung des Artikels gearbeitet und - ehrlich - ich bin wirklich erleichtert, dass ich dieses Monster endlich säuberlich tranchiert zu den Akten legen kann.
Als ich dann das Formular ins Netz laden will, stelle ich fest, dass ich die falsche Vorlage benutzt habe. Eine folgenschwere Verwechslung.
'Zurück auf "Los"', denke ich und bin froh, dass mir dies in meiner Freitagslangmut passiert...
Es gibt Dinge, die man nicht tun sollte. Aber man tut sie trotzdem. Keine Ahnung warum.
Einen Schluck Milch zum Test aus einer lange geöffneten Packung nehmen, zu seinem Chef gehen, wenn er nicht gerufen hat oder dem Security-Mitarbeiter beim Einchecken zum Flieger zwinkend zuzuraunen "gut versteckt, nicht wahr?"
Manchmal tut man es, weil man es nicht besser wusste. Das ist an sich kein Problem, weil man es nicht verhindern konnte.
Manchmal tut man es, weil man nachlässig ist, es hätte wissen können, aber gerade nicht wirklich darüber nachgedacht hat. Das ist schon eher ein Problem, weil die sicher entstehende Pleite vermeidbar gewesen wäre.
Manchmal tut man es, obwohl man weiß, dass man es nicht tun sollte. Das ist auf jeden Fall ein böses Problem, weil das Chaos totsicher eintreten wird, und vor allem, weil man das vorher genau wusste.
Heute habe ich mir eine einzige SMS verkniffen und damit möglicherweise ernste Probleme vermieden. Weil ich es besser wusste, weil ich nachgedacht habe und weil ich wusste, dass es schief gehen könnte.
Gut, ne? Ich bin stolz auf mich.
Ein verpasster Tag. Wie das geht?
Als ich heute morgen auf der Fahrt ins Büro auf den Tacho schaute, sah ich den Kilometerstand 111.113 km. Die "Schnapszahl" hatte ich verpasst.
Als am Nachmittag dann das deutsche Handball-Team um den Hauptrundeneinzug bei der EM in Serbien kämpfte, saß ich in Besprechungen. Das Spiel habe ich auch verpasst.
Als ich dann am Abend einen kurzen Zwischenstopp in einem kleinen Fitnessstudio am Weg machte, um mich nach den Trainingsmöglichkeiten dort zu erkundigen, war ich nur auf die Leistungen und Kosten fixiert. Die mir gut bekannte Eigentümerin - Petra - grüßen zu lassen, habe ich verpasst.
Dinge zu verpassen ist nicht schön, weil damit meist eine Unwiederbringlichkeit verbunden ist. Ich denke, ich werde mich dann künftig besser konzentrieren müssen, um nichts wichtiges zu verpassen.
Und Petra kann ich morgen ja nochmal schnell anrufen...
Was ist das bloß? Deutschland spielt Handball und ich will doch nur heim an meinen Fernseher.
Da hat man es mal eilig und dann ist natürlich wieder jede Ampel rot, vor mir schleichen die Fahrzeuge dahin und als ich dann endlich zu Hause bin habe ich dann noch Knoten in den beiden Schuhbändern.
Als ich dann endlich am TV sitze wird es mir klar, was es ist: Wieder mal zu spät los gefahren. Ärgerlich nur, dass das immer wieder passiert.
Wer braucht so viel Regen? Meine Tochter sagt, dass sie Regen genau so gerne mag wie Sonne. So ganz verstehe ich das nicht. Insbesondere nach diesem Tag heute, an dem ich so oft, wie selten nass geworden bin.
Als ich dann am Nachmittag heim kam, war ich nur froh, dass ich die nassen Sachen endlich los wurde. Meine Finger waren schon schrumpelig.
Ich habe mich heute mehrfach gefragt, wo das ganze Wasser herkommt? Irgendwann muss doch mal der Himmel leer geregnet sein...
Später am Nachmittag kam ein weiterer, heftiger Schauer, den ich am Balkonfenster beobachtete. Dabei fiel mir auf, dass die Gießkanne draußen randvoll war. Einfach grotesk...
Und als die Woche dann zum Ende kam, da kam sie mir vor wie eine Fahrt in einer langen Wasserrutsche.
Montag. Schon kurz nach dem Start ging es rasant voran. Dienstag. In ihren Kurven und Wendungen nahm die Fahrt an Dynamik zu. Mittwoch. Immer schneller fliegen die Meter daher. Donnerstag. Mit hoher Geschwindigkeit nähert sich schon das Finale des Rennens. Freitag. Im rasanten Zielschuss geht es dem Ende zu. Die Rutsche spuckt mich ins...
...Wochenende.
Und obwohl es tatsächlich eine ganz Woche war, kommt sie mir doch nur vor wie eine Rutschfahrt.
Ich bin unsicher. Unsicher, ob diese Urlaubsbuchung richitg war.
Nein, nichts Kostspieliges. Keine Flugreise in ein 5-Sterne-Ressort mit "All-Inclusive". Ganz im Gegenteil. Wir haben eine Woche in einer kleinen, familiengeführten Pension gebucht. Für 20 € pro Nacht und Nase. In einem Zimmer mit Bad und WC, aber ohne Fernseher.
Ich glaube, es ist genau das: Dass man keinen Fernseher hat. Auch wenn es in Pensionen dieser Art eh' eher Kleinströhrengeräte gibt, fühlt sich ein Kleinströhrengerät immer noch besser an, als kein Kleinströhrengerät.
Alles nur Gewohnheit, sagt Ihr? Aha. Und was habt Ihr zuletzt gebucht?
Ich bin noch ganz beeindruckt. Und wäre es eigentlich gar nicht gewesen. Heute jedenfalls nicht.
Im Büro wäre heute eigentlich eine Extraschicht fällig gewesen: Zu viel ist in den letzten Tagen aufgelaufen und zum Teil auch liegen geblieben.
Die Vorsätze waren gut; bis sich einer meiner Kollegen eilig verabschiedete und fragte, warum ich denn noch da sei und ob ich nicht auch das Spiel unserer Handball-Nationalmannschaft im Fernsehen verfolgen wolle. Das Spiel hatte ich völlig vergessen. 'Nein' sagte ich, und dass ich wirklich noch einiges zu erledigen habe.
Nur wenig später forderte mich ein weiterer Kollege auf heim zu gehen und der Mannschaft die Daumen zu halten. Es sei schließlich eines der entscheidenden Spiele.
Daraufhin entschloss ich mich es meinen Kollegen gleich zu tun, fuhr eilig nach Hause und stieg bei Spielminute 5 in das Geschehen ein. Was ich dann in den nächsten 90 Minuten erlebte, war an fesselnder Spannung kaum zu überbieten und endete mit einem knappen, aber verdienten Sieg der Deutschen.
Ich bin davon noch ganz beeindruckt, wie eingangs schon angemerkt. In meinem von viel Sachlichkeit geprägten Arbeitstag war diese emotionale Welle genau das, was mir heute einen guten Ausgleich gegeben hat. Und das ist gut so.
Eine schicken, zwei erhalten. Sisyphos lässt grüßen.
Nach 40 empfangenen Mails und 48 Beantworteten fehlen mir offen gestanden ein wenig die Worte. Vor allem weiß ich nicht, warum ich mehr Nachrichten bearbeitet habe, als ich erhalten habe...
Mache ich da was falsch?
Da geht er hin, der Sonntag. Und wieder habe ich etwas wichtiges gelernt:
Im Laufe dieses Tages habe mich zunächst gefragt, was ich denn noch alles erledigen könnte, um dann kurz inne zu halten und mich wiederum zu fragen, was ich denn eigentlich alles noch lassen könnte.
Und da wurde es auf einmal ein Sonntag, so wie ich ihn mir vorstelle.
Diese absolut ultimativ innovative Idee lasse ich mir patentieren.
Aber Euch kann ich es ja vorher verraten. Ich habe heute herausgefunden, wie man lästige Einkaufsbummel mit der Liebsten im Keim ersticken kann: Verstecke in ihrer Handtasche eines dieser neuen, textilen Sicherheitsetiketten. Dann wird jedesmal, wenn sie ein gesichertes Geschäft betritt oder verlässt ein Alarm ausgelöst. Und das nervt. Nicht Euch, sondern Eure bessere Hälfte.
Ihr dürft sicher sein, dass Eure Liebste schnell die Lust am Bummel verliert und nach Hause möchte. Und Ihr dürft ebenso sicher sein, dass ich ein Produkt gefunden habe, das sich im Internet millionenfach verkaufen lässt.
Aber nicht weitersagen...
Nun, nachdem die Arbeitswoche zu Ende ist, fällt beim Blick zurück wieder einmal auf, dass es eine ereignis- und arbeitsreiche Woche war; und das nicht ohne Grund: Auch die letzten Tage standen ganz im Zeichen eines großen Projektes, das bis Ende Februar abgeschlossen sein muss.
Seit einigen Monaten schon arbeiten wir auf dieses Ereignis hin. Erwartungsgemäß nimmt der Druck zum Ende der Umsetzung hin zu. Nicht, weil man etwa schlecht geplant hat, sondern weil das einfach und immer so ist.
Irgendwann - ganz unausweichlich - beschleicht einen dann auch langsam aber sicher das Gefühl, dass man vielleicht doch nicht alles in den wenigen, noch zur Verfügung stehenden Wochen geschafft bekommt. Der Zeitdruck und die Nervosität nehmen sukzessive zu. Ist so.
Dennoch kann ich der immer knapper werdenden Zeit etwas Positives abgewinnen: Je weniger Zeit bleibt, umso eher ist der ganze Kräfte zehrende Spuk dann auch vorbei. Und so ist das dann auch.
Wir alle - und da mache ich ausnahmsweise mal keine Ausnahme - tun immer wieder Dinge, von denen wir im Vorhinein wissen, dass sie nicht funktionieren. Z.B. Hausschuhe in einem unbeleuchteten Schrank suchen, den Kugelschreiber auch nach einem duzend vergeblicher Versuche trotzdem noch einmal ausprobieren, eine Schraube mit dem Daumennagel lösen oder einen Brief aus dem Briefkasten fischen ohne den Kasten aufzuschließen.
Auch wenn wir in diesen Fällen vielleicht nicht immer - und vor allem nicht unmittelbar - von der Sinnlosigkeit des Unterfangens überzeugt sind, meist sind wir es nach wenigen Momenten. Und doch geben wir dann nicht auf und versuchen weiter das Unmögliche möglich zu machen.
Warum eigentlich?
"Lohas steht für "Lifestyle of Health and Sustainability", dem
Lebensstil, der sich an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert. Er
gilt heute u.a. als Synonym für Strategischen Konsum, Wertschätzung und
Dankbarkeit."
Verrückt genug, wie aus der Gesamtheit der Konsumenten immer wieder Fraktionen herausdefiniert werden, die in ihren Eigenschaften und ihren Ansprüchen eine bespielbare Homogenität aufweisen.
Völlig normal hingegen, dass ich jeden Tag etwas dazulernen kann.
Auch nach 23 Jahren tut es noch weh. Erstaunlich? Nein, eigentlich nicht. Wenn man etwas so Bedeutendes verliert, schließt sich die Lücke nie wieder.
Wenn dann das Wochenende plötzlich rum ist, frage ich mich immer wieder, warum ich gerade dieses Wochenende nicht anders gestaltet habe. Denn irgendetwas kommt immer zu kurz: Entweder konnte ich nicht alles erledigen, was ich mir vorgenommen habe oder ich konnte mich nicht genügend entspannen.
Den Grund dafür habe ich jetzt endlich gefunden: Nicht ich bin das Problem, es ist das Wochenende. Es ist einfach zu kurz.
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