Sicher ist sicher...
Sicher ist sicher...
Ich frage mich: Warum regnet es nicht an den typischen "Drinnen-Tagen", sondern meist dann, wenn man es so gar nicht benötigt?
Immerhin blieb uns abends noch ein wenig Zeit auf dem Balkon die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Frühlingstag kompakt, quasi...
Bevor ich beginne darüber zu sinnieren, ob und warum und wie lange ich noch unter der bestehenden Arbeitsorganisation leide oder leiden möchte, freue ich mich über einen Tag, an dem ich mehr geschafft habe, als in mancher Woche zuvor.
Verrückt nur, dass die beiden Anrufe, die ich heute erhielt, noch nicht einmal für mich waren, sondern für einen Kollegen, der sich - ein paar Türen weiter ebenso wie ich - über einen ebenso ruhigen wie zugleich arbeitsreichen Tag freute.
"Nun", fuhr die Anruferin ein wenig zu fröhlich fort, "ich darf Sie beglückwünschen! Sie sprechen mit Ihrem neuen Messebauer!"
Meine Verblüffung ob dieser entwaffnend direkten Ansprache ist sicher nicht besonders hervorzuheben. Und zunächst dachte ich auch, dass dieser Überfall auch wirklich gut formuliert war, bis mir einfiel, dass die Dame selbstredend nicht recht hatte: Sie würde nicht meine neue Messebauerin werden, das wusste ich.
Darum entgegnete ich ebenso selbstsicher: "Nein, das tue ich nicht", gefolgt von einer für meine Telefonpartnerin offenbar unerwarteten Pause, die sie dazu brachte - ein wenig aus dem Konzept gebracht - sich eilig für das Gespräch zu bedanken und aufzulegen.
'Schön direkt gefragt', dachte ich noch, aber wer direkt fragt muss auch mit direkten Antworten rechnen.
Was daran schön ist? Schön ist, dass ich nicht mal Zeit habe, Fernsehen zu schauen; denn da habe ich in den letzten Wochen nur wenig Interessantes vorgefunden.
Und deshalb ist das gut so.
Ohne dass er es wusste: Dies ist nichts anderes als eine Umstellung von "Kanban" nach "Just in time". Ihm war es egal und seiner Mutter auch, denn sie hat sich darüber gefreut.
Allen Müttern einen herzlichen Gruß zum Muttertag!
Nach einem langen Tag auf der Baustelle tut vieles weh und doch fühlt es sich außergewöhnlich gut an.
Ein Tag, mit dem man richtig zufrieden sein kann.
"Ach wissen Sie", sagte sie, "in meinem Alter vergisst man selbst die Eselsbrücken!" Ich erwiderte, dass sie sich dabei in bester Gesellschaft befände, weil mir das genau so ginge: Eselsbrücken helfen mir überhaupt nicht weiter.
Daraufhin lachte sie sehr charmant, strahlte mich ebenso charmant an und ging heim. Und mein Tag war gerettet.
Über Murphy's Law habe ich hier an dieser Stelle ja mehrfach berichtet. Was mir heute jedoch passiert ist, ist selbst mit diesem Phänomen nicht mehr zu erklären:
Vom Parkplatz am Büro weg fuhr ich in einer langsam daher mäandernder Schlange zu meiner nächsten Verabredung. Ich brauchte nicht lange um zu erkennen, dass das langsame Vorankommen nichts mit einem hohen Verkehrsaufkommen zu tun hatte, sondern mit einem extrem langsam fahrenden PKW.
Dieser PKW, eine blaue Mercedes C-Klasse, hatte offenbar exakt das gleiche Ziel, wie ich, denn egal welche Kreuzung wir passierten - er blieb auf meinem Kurs. Allerdings kam ich ihm näher: Fahrzeug für Fahrzeug zwischen uns bog ab - mal links herum, mal rechts herum. Schließlich befand ich micht direkt hinter dem Schleicher. Mittlerweile hatte er mir gute 10 km lang einige Minuten meiner Lebenszeit gestohlen.
Nicht, dass ich an ihm zu verzweifeln drohte, aber ungewöhnlich kam mir diese Sache schon vor: Wie kann es sein, dass diese Kombination - er vorne, ich dahinter - trotz der zahlreichen Möglichkeiten, dass sich unsere Wege trennten - bis zu meinem Ziel anhielt? Als ich an meinem Ankunftsort auf den Parkplatz abbog, sah ich ihm noch einen Moment hinterher, bis er hiter der nächsten Abbiegung verschwand.
Und fast hatte ich den Eindruck, dass er plötzlich schneller fuhr...
So gut habe er sich mit seinem Nachbarn schon lange nicht mehr unterhalten, erklärte mir ein Freund kürzlich. Und das, obwohl sie sich schon eine ganze Weile kennen. Man habe sich eigentlich nie richtig unterhalten, fügte er hinzu. Eher habe sein Nachbar seine Meinung - einem Monolog ähnlich und nicht selten - mit Nachdruck vertreten.
Erst als er, mein Freund, begonnen habe mal nachzufragen und den groben Floskeln ein wenig auf den Grund zu gehen, habe er gespürt, dass ihm dort ein Mensch gegenüber war, der Bedürfnisse hatte und der gehört werden wollte. Und dann plötzlich seien die Geschichten persönlicher und sein Nachbar nahbarer und menschlicher geworden und er habe sich spürbar geöffnet.
'Wie gesagt', ergänzte mein Freund, so gut habe er sich schon länger nicht mehr unterhalten, mit seinem Nachbarn...
Die meisten meiner beruflichen Mitstreiter bescheinigten mir in meiner Umfrage, dass die Texte durchaus noch zu erkennen seien und bestätigten damit meine Annahme. Einzig einer unter ihnen tat sich schwer beim Lesen und versuchte mangelnde Abbildungsschärfe durch eine Verlängerung des Betrachtungsabstandes zu erreichen. Doch als die Schrift scharf wurde, waren die Buchstaben zu klein für ihn, so dass er mir kopfschüttelnd mein Manuskript wieder in die Hand drückte.
Ich gab ihm daraufhin zu erkennen, dass auch ich häufig genau dieses Problem habe: Zu nah - unscharf, weiter weg - scharf, aber zu klein. Aber dafür hätte ich ja meine Lesebrille. Die habe er auch, versicherte er mir, aber die würde er nur dann wirklich brauchen, wenn er abends im Lokal die Rechnung unterschreiben müsse.
'Ahl Männer' fiel es mir spontan ein, und damit spielte ich nicht auf das Konzert von gestern an...
Schon merkwürdig, wie sich Menschen über die Jahre äußerlich verändern. Deutlich wird dies insbesondere, wenn man einander nur alle paar Jahre sieht. Wolfgang Niedecken ist so einer, der mich nun schon über einige Jahrzehnte hinweg begleitet, den ich alle paar Jahre im Konzert erleben darf und an dem ich diese Veränderung fest machen kann.
Nicht minder kurios ist allerdings, dass sich diese Menschen in Ihrem Wesen treu bleiben und die wenigen Veränderungen, die sie vollziehen, allein mit zunehmender Weisheit erklärbar ist.
Auch das zeigt das Beispiel Niedecken eindrucksvoll: Wenn er sich - wie heute Abend anlässlich des Konzerts im Kölner Palladium wieder - bei all' denjenigen bedankt, die in der schweren Zeit seiner Erkrankung für ihn gebetet haben, klingt mir noch der Refrain des gleichnamigen Liedes im Ohr "wenn et bete sich lohnen dät, wat meenste wohl wat ich dann bete dät...?"
Persönlichkeitsentwicklung ist ein schleichend dynamischer Prozess. Aber gut so...
Uns beiden war danach klar: Kommt es anders, als geplant, ist dies kein Grund zur Aufgabe. Ganz im Gegenteil: Widrigen Umständen zu trotzen macht das Erlebnis umso intensiver und schafft lang anhaltende Eindrücke.
Und an unsere nassen Füße werden wir uns noch eine Weile erinnern...
Warum ist die Wettervorhersage am Wochenende eigentlich immer richtig? Unter der Woche wird meist Regen angesagt und doch dann scheint die Sonne. Wird am Wochenende Regen angesagt, regnet es auch.
Muss ich das verstehen?
Gerade heute Nachmittag hatte ich meinem Freund Karl noch erklärt, dass ich gestern beim Renovieren eines wieder einmal gelernt hätte: Niemals aufgeben! Denn am Tag zuvor hatte ich zunächst meine liebe Mühe, die alten Tapeten von der Decke des Flures im Obergeschoss zu entfernen. So sehr, dass ich beinahe aufgegeben hätte. Doch ich habe durchgehalten und wurde anschließend mit leicht ablösbaren Tapeten an Wänden und Decken im Badezimmer belohnt.
So euphorisiert habe ich mir dann heute die Decke des Schlafzimmers vorgenommen, um schnell festzustellen, dass plötzlich alles anders sein kann. Die Tapeten erwiesen sich als so widerstandsfähig, dass ich nach 3/4 der Fläche erschöpft aufgeben musste.
Als ich die letzte Bahn noch an der Decke kleben sah, ärgerte ich mich zunächst darüber, dass ich mit meiner Arbeit nicht fertig geworden war. Dann aber beschloss ich mit der Entscheidung aufzuhören zufrieden zu sein. Denn eines war mir klar: Es war die richtige Entscheidung.
Schon im Laufe des heutigen Vormittags konnte ich absehen, dass sich diese Pläne nicht durchsetzen lassen: Eine Besprechung hier, einige längere Telefonate da. Und dann neue, ganz dringend zu erledigende Aufgaben, natürlich wichtiger als die, die ich mir vorgenommen hatte.
Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Andere Aufgaben, als die geplanten erledigen zu müssen oder die, die man machen wollte nicht machen zu können. Im Endeffekt kommt es auf's Gleiche hinaus.
Bleibt eine Frage: Fühlt es sich denn wirklich immer noch besser an, fremdgesteuert die eigenen Dinge nicht erledigen zu können, als an sich selbst zu scheitern?
Zum 30.4.2012 wurde der analoge Satellitenempfang unmöglich. Seit heute können die Signale aus dem All demnach nur noch digital entschlüsselt werden. Das wusste ich längst und hatte mich entsprechend darauf vorbereitet: Einen digitalen Receiver nennen wir schon geraume Zeit unser Eigen. Dementsprechend gut vorbereitet fühlte ich mich für die anstehende Abschaltung.
Doch als wir heute eine Sendung beim Ersten schauen wollten, wurden wir aufgefordert einen Sendersuchlauf zu starten, da sich die Frequenz des gewünschten Senders im Zuge der Analogabschaltung geändert habe. Dies, so sollten wir bald erfahren, bezog sich nicht allein auf das Erste, auch andere Sender verfügten über neue Sendefrequenzen.
Zum Sendersuchlauf an sich habe ich schon immer ein eher gestörtes Verhältnis. Wie im richtigen Leben war die Suche nicht immer von Erfolg gekrönt. Dementsprechend gering war meine Hoffnung, die fehlenden Sender und die schon länger mystisch verschollenen HD-Versionen anderer Stationen wieder zu finden.
Nach geschlagenen 15 Minuten signalisierte unser Empfangsgerät, dass es 1.277 Sender auf dem von uns ausgewählten Satelliten gefunden habe und fragte zugleich, ob die neu gefundenen Sender (a) angehängt, (b) manuell ausgewählt oder (c) automatisch hinzugefügt werden sollten. Natürlich kannten wir die richtige Option nicht und wählten (b) manuell, um danach quälend lang Sender für Sender aus der Liste auswählen und über eine alle Konzentration des späten Nachmittags bindende Tastenkombination auf der Fernbedienung in der so genannten Favoritenliste speichern zu müssen.
Am Ende des Spieles 6 aus 1.277 hatten wir wieder eine halbwegs brauchbare Senderliste und eine weitere Lebensstunde in schlecht konzipierte Technik investiert. In einem Zeitalter, in dem ein Handy nahezu alles kann fragt man sich schlicht "warum?"

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