Gemeinsam sind wir, mein Sohn und ich, stark: Gemeinsam konnten wir einen neuen Wasserhahn an der Küchenspüle montieren.
Für mich war es vierfach gut: Mein Sohn hat gesehen, dass man manches selber machen kann und wie es geht. Mein Sohn hat auch erfahren, dass es nicht alles so einfach ist und ein wenig Zeit braucht. Und wir haben endlich einen neuen, nicht tropfenden Hahn.
Wie gesagt. Eine Samstagsgeschichte - vierfach gut.
Auch nach 23 Jahren tut es noch weh. Erstaunlich? Nein, eigentlich nicht. Wenn man etwas so Bedeutendes verliert, schließt sich die Lücke nie wieder.
Weihnachten ist auch immer die Zeit des Familientreffs. Und absolut unausweichlich ist dabei natürlich das "Urlaubsbilder-gucken"; insbesondere, wenn man erst kürzlich einen gemeinsamen Urlaub verbracht hat.
Unser Spätsommerurlaub führte uns dieses Jahr bekannterweise gemeinsam mit den Eltern meiner besseren Hälfte in die Oberbayerischen Berge, ohne meine Kinder. Klar, dass die Herrschaften die Bilder sehen wollten. Klar aber auch, dass meine Kinder dafür kaum Interesse zeigten. Spätestens als mein Sohn - hinter mir sitzend - mich langsam aber anhaltend würgte wurde mir klar, dass ihn die schönen Aufnahmen aus Bayern so sehr begeisterten wie der Hautausschlag, den er im Sommer an den Händen bekommt und der der Grund dafür ist, dass wir ihn bisweilen "Krümelhand" nennen.
Also lenkte ich ein und überließ den Kindern die Festplatte, auf der die Bilder gespeichtert sind. Schon bald fanden sie darauf Aufnahmen von sich selbst. Fein säuberlich nach Jahren sortiert boten die Bilder ihnen Gelegenheit über sich selbst zu lachen und sich prächtig zu amüsieren.
Ich hätte es wissen müssen: Bilder des Lebens sind hochinteressant, solange Du auch selbst drauf bist. Und: Für das Leben anderer interessieren sich meine Kinder eher wenig; ein Umstand, dem ich durchaus etwas Positives abgewinnen kann.
Nein, keinesfalls möchte ich nicht länger der Zwangstester von eilig vermarkteter Software sein. Viel zu oft schon habe ich Stunde um Stunde sinnlos und ohne Erfolg vor dem Rechner verbracht. Dass es heute wieder passiert ist sei der Lust an der Sache geschuldet: Das USB-Keyboard versprach unseren Musikproduktionen weitere Gestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Zwar war auch mein Sohn enttäuscht, dass wir so viele Startprobleme hatten und uns schließlich mit einem Kompromiss zufrieden geben mussten, doch so recht verstehen konnte er meine Verärgerung nicht. Also erläuterte ich ihm, dass zum Beispiel ein neues Auto, dass so viele Fehler, wie die von uns eingerichtete Software aufwies, kaum vom Hof des Händlers fahren könne.
Das leuchtete ihm dann auch ein sagte er. Und überhaupt wolle auch er kein Zwangstester sein, sagte er, keinesfalls!
Damit hatte ich fest gerechnet: "Du bist total peinlich, Papa!" Doch ich habe es nicht gehört, als ich gestern das seltene Vergnügen hatte, meine Tochter von der Schule abzuholen. Ich sollte neben ihr auch eine ihrer Mitschülerinnen mitnehmen.
Natürlich hatte ich keine Ahnung, was auf der kurzen Fahrt passieren würde, war mit aber sicher, dass ich mich anschließend der Kritik meiner Tochter hätte stellen müssen.
Doch anstelle dieser Schelte erntete ich Anerkennung: Defensive Fahrweise, die richtige Musik, eher wenig coole Sprüche - so geht man heute offenbar richtig mit der Jugend um.
Darüber habe ich mich natürlich gefreut. Und auf das "du bist echt peinlich Papa" kann ich bis auf weiteres auch verzichten...
Heute feiert meine Tochter ihren 15. Geburtstag und ich frage mich, wo ist die Zeit geblieben?
Zum TV-Abendprogramm wünschten sich die Kinder heute "Die Welle". Der Fernsehfilm beschreibt den Versuch innerhalb einer Schulprojektwoche zu prüfen, ob es gelingt ein autokratisches System aufzubauen: Macht durch Gemeinschaft, Macht durch Disziplin.
Der Film basiert auf dem Roman „The Wave"(1981) von Autor Morton Rhue, der wiederum auf eine tatsächliche Begebenheit aus dem Jahr 1967 zurück geht: Ein Schüler der Cuberley Highschool im kalifornischen Palo Alto meinte seinerzeit,
dass es totalitäre Systeme wie den Faschismus nie wieder geben könne. Darauf hin
entschloss sich sein Lehrer Ron Jones zu einem spontanen Experiment. In
den kommenden Unterrichtsstunden brachte er seinen Schülern die Vorzüge
von Disziplin und Ordnung bei und schuf durch einheitliche Kleidung und
eigene Handzeichen ein ungeahntes Zusammengehörigkeitsgefühl. „Die
Welle" war geboren - und ließ sich kaum noch stoppen.
Regisseur Dennis Gansel zeichnet mit „Die Welle" ein deutliches Bild, das bedrückend aufzeigt, wie falsch die Einschätzung des Schülers 1967 auch heute noch ist: Stimmen die Voraussetzungen ist es auch in der Gegenwart möglich, ein autokratisches System aufzubauen, das bereits nach kurzer Zeit kaum noch zu kontrollieren ist.
Nicht oft bedarf es eines Gesprächs nachdem der Fernseher abgeschaltet wird. Heute Abend war das dann doch wieder einmal nötig, das Gesehene ein wenig aufzuarbeiten.
Mir bleibt ein Zwiespalt: Politische Aufklärung junger Menschen ist wichtig, das gewählte Medium - ein dramaturgisch bunter und dynamischer Film mit lauter Musik und belastender Stille - ist mir fremd. Wir haben das damals anders gelernt. Jetzt ist offenbar umlernen angesagt...
"Dieses Sofa ist zu bequem", sagte meine Tochter heute, als wir uns bei Ikea nach einer neuen Garnitur umschauten. "Zu bequem?" fragte ich erstaunt. "Kann denn ein Sofa zu bequem sein?"
Folgende Beispiele setzte ich gedanklich dagegen:
- Ein Auto kann zu bequem sein, nicht aber zu praktisch.
- Eine Urlaubsreise kann zu kurz sein, nicht aber zu schön.
- Ein Buch kann zu lang sein, nicht aber zu fesselnd.
Autos müssen praktisch, Urlaubsreisen schön und Bücher fesselnd sein, denn das ist es, was man von ihnen erwartet. Und ein Sofa - bitte schön - darf und muss bequem sein.
Bequemlichkeit ist schließlich eine Kernfunktion eines Sofas und eine Kernanforderung meines Feierabends.
So, Annki.
"Willst Du Dich nicht noch ein wenig schminken?"
"Hab ich schon!"
Ups.Vorsicht vor dummen Fragen.
90 wäre mein Vater heute geworden. Besonders an seinem Geburtstag bedauere ich, dass wir so wenig Zeit miteinander verbringen konnten. Hätten wir gewusst, wie wenig Zeit bleibt, hätten wir uns bestimmt mehr Zeit füreinander genommen.
Da wir nie wissen, wieviel Zeit uns tatsächlich noch bleibt, sollten wir das Zusammensein nie auf morgen verschieben.
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