Gemeinsam sind wir, mein Sohn und ich, stark: Gemeinsam konnten wir einen neuen Wasserhahn an der Küchenspüle montieren.
Für mich war es vierfach gut: Mein Sohn hat gesehen, dass man manches selber machen kann und wie es geht. Mein Sohn hat auch erfahren, dass es nicht alles so einfach ist und ein wenig Zeit braucht. Und wir haben endlich einen neuen, nicht tropfenden Hahn.
Wie gesagt. Eine Samstagsgeschichte - vierfach gut.
Nach einem Tag wie diesem hier, muss ich mir Mühe geben, das Tempo zu drosseln: Zunächst eine Baubesprechung, dann eine Besprechung bei einem Lieferanten, gefolgt von zahllosen Mails und vielen Gesprächen im Büro.
Dann zwei weitere Außentermine bei Lieferanten und Partnern und nach meiner Rückkehr warten weitere Mails und ein ansehnlicher Stapel Papier auf dem Schreibtisch auf Erledigung.
Es gelingt vieles heute und ich kann am Abend zufrieden nach Hause fahren. Auch wenn es mir hier jetzt schwerfällt den Schwung aus dem Tag zu nehmen - ich stelle mich jetzt mit beiden Füßen auf die Bremse. Und das mit dem größten Vergnügen.
Ich ärgere mich mächtig. "50" steht in schlanken weißen Ziffern auf die Straße gemalt. "80" zeigt der Tacho in meinem Auto an, als der rot leuchtende Blitz mich aus meinen Gedanken reißt. Geblitzt!
'30 km/h zu viel' schießt es mir durch den Kopf? Innerorts? Wie war das noch mit dem Bußgeldkatalog? Warum kann ich mir solche Sachen nicht merken? Muss ich nicht, so was kann mir doch NICHT passieren.
Klartext:
26 - 30 km/h außerorts = 80 € Bußgeld und 3 Punkte
26 - 30 km/h innerorts = 100 € Bußgeld und 3 Punkte
31 - 40 km/h außerorts = 120 € Bußgeld und 3 Punkte und 1 Monat Fahrverbot auf Bewährung
31 - 40 km/h innerorts = 160 € Bußgeld und 3 Punkte und 1 Monat Fahrverbot
Ob "innerorts" oder "außerorts" beschäftigt mich, bis ich auf der Rückfahrt erkenne, dass dort nicht 50 sondern 60 km/h erlaubt sind.
Das heißt:
16 - 20 km/h innerorts = 35 € Bußgeld
16 - 20 km/h außerorts = 30 € Bußgeld
Ohne Punkte sieht das doch schon ganz anders aus. Und doch bleibt der überraschend fade Beigeschmack, dass mir so etwas DOCH passieren kann. Schneller als ich dachte...
Vielen Dnak und Grüße...
Mist. Wie oft habe ich das jetzt schon falsch geschrieben? Ich schätze bei jeder zweiten Mail unterläuft mir dieser Fehler. Und das nervt. Ich kann mir auch erklären, warum mir das immer wieder passiert. Das passiert immer dann, wenn es schnell gehen muss - und das muss es leider sehr häufig.
Um dem ein Ende zu setzen, habe ich mir selbst auferlegt, 50 x ganz ruhig und möglichst fehlerlos den Satz "Vielen Dank und Grüße" aufzuschreiben - quasi als Strafarbeit. Na denn:
Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dank und Grüße. Vielen Dnak und Grüße.
NEIIIIIN.....!!!!!
Im Supermarkt war's. Als ich um die Ecke kam. Plötzlich stand eine Frau vor mir. So dicht, dass es beiden augenscheinlich unangenehm war. Unsere Blicke trafen sich. Aber nur kurz. Denn jeder von uns wandte sich sofort ab. Wir gingen beide den Gang hinunter. In entgegengesetzte Richtungen.
Als ich stehen blieb, schien auch sie stehen zu bleiben. Wir drehten uns zueinander um. Beide schauten in verduzte Gesichter: Wir kannten uns. "Hi Tanja" sagte ich. "Bist Du's doch" sagte sie. Wir hatten uns nicht erkannt.
Später, beim Warten in der Kassenschlange, wurde mir bewusst, warum wir uns nicht erkannt hatten. Zwar kennen wir uns von Kindheit an - wir sind in der gleichen Nachbarschaft aufgewachsen und Tanja lebt noch heute dort -, doch haben wir uns in den letzten 25 Jahren immer nur auf eine Distanz von etwa 50 m gesehen und gegrüßt. Immer dann, wenn ich mal wieder in der Gegend war.
Heute haben wir beide eines bemerkt: Wir sind älter geworden. Deshalb haben wir uns nicht erkannt. Im Supermarkt...
'So, fertig' denke ich, als ich den letzten Textabsatz des komplexen Aufsatzes in den Fragebogen kopiere. Fast 2 Tage habe ich an der Umstrukturierung des Artikels gearbeitet und - ehrlich - ich bin wirklich erleichtert, dass ich dieses Monster endlich säuberlich tranchiert zu den Akten legen kann.
Als ich dann das Formular ins Netz laden will, stelle ich fest, dass ich die falsche Vorlage benutzt habe. Eine folgenschwere Verwechslung.
'Zurück auf "Los"', denke ich und bin froh, dass mir dies in meiner Freitagslangmut passiert...
Es gibt Dinge, die man nicht tun sollte. Aber man tut sie trotzdem. Keine Ahnung warum.
Einen Schluck Milch zum Test aus einer lange geöffneten Packung nehmen, zu seinem Chef gehen, wenn er nicht gerufen hat oder dem Security-Mitarbeiter beim Einchecken zum Flieger zwinkend zuzuraunen "gut versteckt, nicht wahr?"
Manchmal tut man es, weil man es nicht besser wusste. Das ist an sich kein Problem, weil man es nicht verhindern konnte.
Manchmal tut man es, weil man nachlässig ist, es hätte wissen können, aber gerade nicht wirklich darüber nachgedacht hat. Das ist schon eher ein Problem, weil die sicher entstehende Pleite vermeidbar gewesen wäre.
Manchmal tut man es, obwohl man weiß, dass man es nicht tun sollte. Das ist auf jeden Fall ein böses Problem, weil das Chaos totsicher eintreten wird, und vor allem, weil man das vorher genau wusste.
Heute habe ich mir eine einzige SMS verkniffen und damit möglicherweise ernste Probleme vermieden. Weil ich es besser wusste, weil ich nachgedacht habe und weil ich wusste, dass es schief gehen könnte.
Gut, ne? Ich bin stolz auf mich.
Ein verpasster Tag. Wie das geht?
Als ich heute morgen auf der Fahrt ins Büro auf den Tacho schaute, sah ich den Kilometerstand 111.113 km. Die "Schnapszahl" hatte ich verpasst.
Als am Nachmittag dann das deutsche Handball-Team um den Hauptrundeneinzug bei der EM in Serbien kämpfte, saß ich in Besprechungen. Das Spiel habe ich auch verpasst.
Als ich dann am Abend einen kurzen Zwischenstopp in einem kleinen Fitnessstudio am Weg machte, um mich nach den Trainingsmöglichkeiten dort zu erkundigen, war ich nur auf die Leistungen und Kosten fixiert. Die mir gut bekannte Eigentümerin - Petra - grüßen zu lassen, habe ich verpasst.
Dinge zu verpassen ist nicht schön, weil damit meist eine Unwiederbringlichkeit verbunden ist. Ich denke, ich werde mich dann künftig besser konzentrieren müssen, um nichts wichtiges zu verpassen.
Und Petra kann ich morgen ja nochmal schnell anrufen...
Was ist das bloß? Deutschland spielt Handball und ich will doch nur heim an meinen Fernseher.
Da hat man es mal eilig und dann ist natürlich wieder jede Ampel rot, vor mir schleichen die Fahrzeuge dahin und als ich dann endlich zu Hause bin habe ich dann noch Knoten in den beiden Schuhbändern.
Als ich dann endlich am TV sitze wird es mir klar, was es ist: Wieder mal zu spät los gefahren. Ärgerlich nur, dass das immer wieder passiert.
Wer braucht so viel Regen? Meine Tochter sagt, dass sie Regen genau so gerne mag wie Sonne. So ganz verstehe ich das nicht. Insbesondere nach diesem Tag heute, an dem ich so oft, wie selten nass geworden bin.
Als ich dann am Nachmittag heim kam, war ich nur froh, dass ich die nassen Sachen endlich los wurde. Meine Finger waren schon schrumpelig.
Ich habe mich heute mehrfach gefragt, wo das ganze Wasser herkommt? Irgendwann muss doch mal der Himmel leer geregnet sein...
Später am Nachmittag kam ein weiterer, heftiger Schauer, den ich am Balkonfenster beobachtete. Dabei fiel mir auf, dass die Gießkanne draußen randvoll war. Einfach grotesk...
Und als die Woche dann zum Ende kam, da kam sie mir vor wie eine Fahrt in einer langen Wasserrutsche.
Montag. Schon kurz nach dem Start ging es rasant voran. Dienstag. In ihren Kurven und Wendungen nahm die Fahrt an Dynamik zu. Mittwoch. Immer schneller fliegen die Meter daher. Donnerstag. Mit hoher Geschwindigkeit nähert sich schon das Finale des Rennens. Freitag. Im rasanten Zielschuss geht es dem Ende zu. Die Rutsche spuckt mich ins...
...Wochenende.
Und obwohl es tatsächlich eine ganz Woche war, kommt sie mir doch nur vor wie eine Rutschfahrt.
Ich bin noch ganz beeindruckt. Und wäre es eigentlich gar nicht gewesen. Heute jedenfalls nicht.
Im Büro wäre heute eigentlich eine Extraschicht fällig gewesen: Zu viel ist in den letzten Tagen aufgelaufen und zum Teil auch liegen geblieben.
Die Vorsätze waren gut; bis sich einer meiner Kollegen eilig verabschiedete und fragte, warum ich denn noch da sei und ob ich nicht auch das Spiel unserer Handball-Nationalmannschaft im Fernsehen verfolgen wolle. Das Spiel hatte ich völlig vergessen. 'Nein' sagte ich, und dass ich wirklich noch einiges zu erledigen habe.
Nur wenig später forderte mich ein weiterer Kollege auf heim zu gehen und der Mannschaft die Daumen zu halten. Es sei schließlich eines der entscheidenden Spiele.
Daraufhin entschloss ich mich es meinen Kollegen gleich zu tun, fuhr eilig nach Hause und stieg bei Spielminute 5 in das Geschehen ein. Was ich dann in den nächsten 90 Minuten erlebte, war an fesselnder Spannung kaum zu überbieten und endete mit einem knappen, aber verdienten Sieg der Deutschen.
Ich bin davon noch ganz beeindruckt, wie eingangs schon angemerkt. In meinem von viel Sachlichkeit geprägten Arbeitstag war diese emotionale Welle genau das, was mir heute einen guten Ausgleich gegeben hat. Und das ist gut so.
Eine schicken, zwei erhalten. Sisyphos lässt grüßen.
Nach 40 empfangenen Mails und 48 Beantworteten fehlen mir offen gestanden ein wenig die Worte. Vor allem weiß ich nicht, warum ich mehr Nachrichten bearbeitet habe, als ich erhalten habe...
Mache ich da was falsch?
Da geht er hin, der Sonntag. Und wieder habe ich etwas wichtiges gelernt:
Im Laufe dieses Tages habe mich zunächst gefragt, was ich denn noch alles erledigen könnte, um dann kurz inne zu halten und mich wiederum zu fragen, was ich denn eigentlich alles noch lassen könnte.
Und da wurde es auf einmal ein Sonntag, so wie ich ihn mir vorstelle.
Diese absolut ultimativ innovative Idee lasse ich mir patentieren.
Aber Euch kann ich es ja vorher verraten. Ich habe heute herausgefunden, wie man lästige Einkaufsbummel mit der Liebsten im Keim ersticken kann: Verstecke in ihrer Handtasche eines dieser neuen, textilen Sicherheitsetiketten. Dann wird jedesmal, wenn sie ein gesichertes Geschäft betritt oder verlässt ein Alarm ausgelöst. Und das nervt. Nicht Euch, sondern Eure bessere Hälfte.
Ihr dürft sicher sein, dass Eure Liebste schnell die Lust am Bummel verliert und nach Hause möchte. Und Ihr dürft ebenso sicher sein, dass ich ein Produkt gefunden habe, das sich im Internet millionenfach verkaufen lässt.
Aber nicht weitersagen...
Nun, nachdem die Arbeitswoche zu Ende ist, fällt beim Blick zurück wieder einmal auf, dass es eine ereignis- und arbeitsreiche Woche war; und das nicht ohne Grund: Auch die letzten Tage standen ganz im Zeichen eines großen Projektes, das bis Ende Februar abgeschlossen sein muss.
Seit einigen Monaten schon arbeiten wir auf dieses Ereignis hin. Erwartungsgemäß nimmt der Druck zum Ende der Umsetzung hin zu. Nicht, weil man etwa schlecht geplant hat, sondern weil das einfach und immer so ist.
Irgendwann - ganz unausweichlich - beschleicht einen dann auch langsam aber sicher das Gefühl, dass man vielleicht doch nicht alles in den wenigen, noch zur Verfügung stehenden Wochen geschafft bekommt. Der Zeitdruck und die Nervosität nehmen sukzessive zu. Ist so.
Dennoch kann ich der immer knapper werdenden Zeit etwas Positives abgewinnen: Je weniger Zeit bleibt, umso eher ist der ganze Kräfte zehrende Spuk dann auch vorbei. Und so ist das dann auch.
Wir alle - und da mache ich ausnahmsweise mal keine Ausnahme - tun immer wieder Dinge, von denen wir im Vorhinein wissen, dass sie nicht funktionieren. Z.B. Hausschuhe in einem unbeleuchteten Schrank suchen, den Kugelschreiber auch nach einem duzend vergeblicher Versuche trotzdem noch einmal ausprobieren, eine Schraube mit dem Daumennagel lösen oder einen Brief aus dem Briefkasten fischen ohne den Kasten aufzuschließen.
Auch wenn wir in diesen Fällen vielleicht nicht immer - und vor allem nicht unmittelbar - von der Sinnlosigkeit des Unterfangens überzeugt sind, meist sind wir es nach wenigen Momenten. Und doch geben wir dann nicht auf und versuchen weiter das Unmögliche möglich zu machen.
Warum eigentlich?
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