Ja gut. Eigentlich steht der Genügsamkeit immer der Ehrgeiz im Wege. Und Ehrgeiz - in Maßen, wie alles im richtigen Leben - ist ja an sich auch gar nichts Negatives: Er bringt uns weiter, fordert Entwicklung wo Bequemlichkeit Stillstand anempfiehlt. Oder eben Genügsamkeit.
Aber mit realistischer Wahrnehmung erkennen wir Grenzen. Situationen, in denen es nicht mehr weitergeht oder weitergehen muss. Diese Grenzen zu erkennen allein genügt freilich nicht. Sie gehören auch akzeptiert. Dann, erst dann kann man von Genügsamkeit sprechen: Mit dem zufrieden sein, was erreicht wurde. Würdigend auf seine eigenen Leistungen zurück blicken, auch wenn sie schließlich endlich waren.
Genügsamkeit heißt auf spanisch übrigens "Austeridad"...
Manchmal hilft nur Zwang zur Erkenntnis. Das ist meist auch im richtigen Leben so.
In den letzten Wochen konnte ich berufs- und verletzungsbedingt keinen Schritt laufen. Selbst das Gehen fiel mir zeitweise schwer. Um so mehr habe ich diejenigen beneidet, die ihrem Training wie gewohnt nachgehen konnten oder einfach das schöne Wetter bei einer lockeren Laufrunde genießen konnten.
Mit Abklingen meiner Fußverletzung fasste ich den Entschluss die Standfestigkeit der Genesung auszuprobieren. Frohen Mutes geplant und auch während des Umziehens noch voller Tatendrang machte ich mich auf die knapp 5 km lange Tour; nicht mit locker federndem Schritt, sondern von Beginn an auf "ankommen" ausgelegt. Die äußeren Bedingungen waren bei knapp 20°C in warmen Licht der Abendsonne ideal.
Und wie ich dann so laufe kommt keine rechte Freude auf: Zwar fällt es mir nicht schwer und mir tut nichts weh (auch der Fuß hält), aber so richtig rund mag es nicht laufen. Es dauert eine ganze Weile bis ich heraus gefunden habe, was nicht stimmt: Es ist meine Einstellung zu diesem Lauf, ich habe plötzlich einfach keine Lust und es ist mir lästig, dass ich Laufen muss.
Zunächst hilft mir diese Erkenntnis nicht wirklich weiter. Aber je näher ich meinem Ziel komme, desto mehr weiß ich zu schätzen, dass ich wieder Laufen KANN.
Als ich zu Hause ankomme überwiegt dann die Freude, dass ich die erste Runde seit Wochen locker und ohne Komplikationen absolvieren konnte. Letztlich freue mich auf den Muskelkater, den ich morgen sicher haben werde und bin dankbar für diese erzwungene Erkenntnis
Eigentlich wollte ich heute - durch einen Post in Facebook motiviert - über mein Jahrzehnte altes (mindestens 35 Jahre alt), selbstgebautes Rollbrett (es gab damals ja nichts und wir hatten nichts und wir bezeichneten das, was wir uns bastelten, so wie es uns in den Sinn kam und überhaupt gab es damals noch gar keine Skateboards und deshalb nannten wir es kurz Rollbrett, denn das war es ja auch) schreiben. Aber dann kam das 4:0, das alles andere heute geschehene in den Hintergrund drängte.
Was für ein Spiel. Das war ja eine Dramaturgie wie zu Schumis besten Zeiten: Früh führend, überlegen nach Belieben und jederzeit Herr der Lage. Das, was dieses deutsche Team heute gezeigt hat lässt mich (nun endlich) vom Titel träumen. Sehr beeindruckend.
Das meint auch mein Kumpel Huttie, der mir simste, er sei nun Fan (was er vermutlich nie werden wollte). Und mein Freund Paul mailte aus England: "Germany on fire". 'Ja,' denke ich 'da hat er wohl recht' und über das Rollbrett werde ich dann ein andermal berichten...
Zwei Fakten für heute:
1.) Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erlebten mehr Menschen denn je ein Eishockey-Spiel.
2.) Die Nationalmannschaft des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten schlug den vermeintlich unschlagbaren Gegner aus dem ehemaligen Land der unbrenzten Möglichkeiten.
Zwei ergänzende Gedanken dazu:
1.) Sicher kann eine Sportdisziplin allein nicht für einen kulturhistorischen Wandel dieser Ausprägung verantwortlich gemacht werden. Heute aber ausnahmsweise schon.
2.) Es sollte uns bewußt sein/werden, dass wir dennoch und ohne jeden Zweifel im Land der unbegrenzten Möglichkeiten leben.
Ist so.
Aktuelle Kommentare