"Leben erleben, mit dir, den anderen, und mir"

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Veröffentlicht: 13 Jahren her

Öffentliches Nahverkehrsabenteuer

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Vorab: Heute wird es länger, es lohnt sich aber zu lesen (denke ich)…

Es heißt ja im Allgemeinen, dass diejenigen, die nur selten mit dem Öffentlichen Personennahverkehr unterwegs sind, zu den seinen härtesten Kritikern gehören. Das ist so nicht richtig. Diejenigen, die regelmäßig mit Bus und Bahn unterwegs sind, haben sich lediglich resignierend an die Missstände gewöhnt. Das kann und möchte ich nicht. Darum war mein kleiner Ausflug mit dem ÖPN heute auch eher ein Abenteuer:

  • Mein Start-Busbahnhof ist derart dreckig, dass ich meine Tasche nicht auf die Erde stellen mag.
  • Der Bus soll um 16:21 abfahren. Kann er nicht, weil er noch nicht da ist.
  • Der Bus kommt um kurz vor halb und ist übervoll mit Schülern (wo kommen die denn jetzt her?) und die Scheiben rundum sind komplett beschlagen.
  • Ich stelle fest, dass die „Halt“-Knöpfe im Bus so unglücklich angebracht sind, dass ich mich – haltsuchend – an einen der Signalgeber lehne und der Bus an der nächsten Haltestelle einen völlig überflüssigen Stopp einlegt, bei dem niemand ein- oder aussteigt (ich fühe mich beobachtet).
  • Nach dem dritten Halt finde ich einen Sitzplatz, muss aber rückwärts fahren.
  • Nach zwei weiteren Stopps wird mir ob der ländlichen Kurverei schlecht.
  • Nach dem achten Halt fahren wir zum zweiten mal durch den gleichen Verkehrskreisel.
  • Wir kommen meinem Umsteigeziel näher, allerdings nach wie vor mit fünf Minuten Verspätung.
  • Nach knapp 40 Minuten Fahrt (für gut 10 km!) erreiche ich den hiesigen Busbahnhof, mein Anschlussbus ist weg. Vor mir 20 Minuten Wartezeit auf den nächsten Bus.
  • Nach 20 Minuten ist von meinem nächsten Bus nichts zu sehen.
  • Nach weiteren 5 Minuten stellt der Bus, der samt Fahrer auf dem Fahrersitz seit 25 Minuten unmittelbar vor mir steht, die große Anzeige von „Betriebsfahrt“ auf „Linie 310“ – mein Bus. Der leichte Regen und böige Wind haben mich mittlerweile kalt gestellt.
  • Als die anderen unterkühlten Fahrgäste Platz genommen haben, kann es eigentlich losgehen, wäre da nicht ein weiterer Fahrer, der mit unserem Fahrer durch das geöffnete Seitenfenster spricht.
  • Weitere endlose Minuten verstreichen. Schließlich wendet sich unsere Fahrer uns – seinen Fahrgästen – zu und ruft zwei Haltestellen auf, die er aufgrund einer unfallbedingten Straßensperrung nicht anfahren kann. Klar: Eine davon ist meine.
  • Der Bus fährt eine Ausweichroute. Ich denke, dass ich mein Ziel zu Fuß längste erreicht hätte, wovon mich im Grunde genommen nur der Regen abgehalten hatte.
  • Kulanterweise hält unser Busfahrer unsere Odyssee auf der Ausweichroute kurz an. Ich kann aussteigen und mich (durch den Regen) über Gassen, Hänge und Treppen zu Fuß meinem Ziel nähern.
  • Ich komme meinem Ziel (dem Autohaus, wo mein Wagen zur Inspektion ist) näher und passiere dabei die Unfallstelle, an der der Verkehr stadtauswärts locker fließend vorbei geführt wird. Da hätte mein Bus locker durchschwimmen können. Statt dessen schwimme ich weiter durch den Regen, meinem Wagen entgegen.
  • Nach etwa 70 Minuten komme ich am Ziel an. Ich habe ganze 12 km zurück gelegt.

Wieder in meinem Wagen werde ich mir bewußt über den Luxus, ein eigenes Fahrzeug für den Weg zur Arbeit und zurück nach Hause nutzen zu dürfen. Und ich frage mich, warum alle mit mir Reisenden trotz aller Widrigkeiten so ausgeglichen ruhig blieben? Darüber werde ich wohl in den nächsten Tagen nachdenken…

 

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