"Leben erleben, mit dir, den anderen, und mir"

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Veröffentlicht: 12 Jahren her

Umlernen

Zum TV-Abendprogramm wünschten sich die Kinder heute „Die Welle“. Der Fernsehfilm beschreibt den Versuch innerhalb einer Schulprojektwoche zu prüfen, ob es gelingt ein autokratisches System aufzubauen: Macht durch Gemeinschaft, Macht durch Disziplin.

Der Film basiert auf dem Roman „The Wave“(1981) von Autor Morton Rhue, der wiederum auf eine tatsächliche Begebenheit aus dem Jahr 1967 zurück geht: Ein Schüler der Cuberley Highschool im kalifornischen Palo Alto meinte seinerzeit, dass es totalitäre Systeme wie den Faschismus nie wieder geben könne. Darauf hin entschloss sich sein Lehrer Ron Jones zu einem spontanen Experiment. In den kommenden Unterrichtsstunden brachte er seinen Schülern die Vorzüge von Disziplin und Ordnung bei und schuf durch einheitliche Kleidung und eigene Handzeichen ein ungeahntes Zusammengehörigkeitsgefühl. „Die Welle“ war geboren – und ließ sich kaum noch stoppen.

Regisseur Dennis Gansel zeichnet mit „Die Welle“ ein deutliches Bild, das bedrückend aufzeigt, wie falsch die Einschätzung des Schülers 1967 auch heute noch ist: Stimmen die Voraussetzungen ist es auch in der Gegenwart möglich, ein autokratisches System aufzubauen, das bereits nach kurzer Zeit kaum noch zu kontrollieren ist.

Nicht oft bedarf es eines Gesprächs nachdem der Fernseher abgeschaltet wird. Heute Abend war das dann doch wieder einmal nötig, das Gesehene ein wenig aufzuarbeiten.

Mir bleibt ein Zwiespalt: Politische Aufklärung junger Menschen ist wichtig, das gewählte  Medium – ein dramaturgisch bunter und dynamischer Film mit lauter Musik und belastender Stille – ist mir fremd. Wir haben das damals anders gelernt. Jetzt ist offenbar umlernen angesagt…

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