"Leben erleben, mit dir, den anderen, und mir"

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Veröffentlicht: 10 Jahren her

Früher war alles besser

Die postnatale Mission

Heute habe ich bei Facebook zufällig und gegen meine völlige Überzeugung einen dieser nett gesetzten, klugen Sprüche gelesen, die ich normalerweise komplett ignoriere. Aber er war so gut, dass ich ihn und den tieferen Sinn darin in meinem Blog aufgreifen möchte. In dem Post hieß es:

„Unsere Eltern brauchten unsere Namen nicht an ihr Auto kleben. Man kannte uns.“

Ja, sicher. Auch dies ist im ersten Augenblick einfach nur einer dieser Sprüche, die alles, was früher war, glorifizieren und dabei völlig außer acht lassen, dass sich die Dinge in den vergangenen Jahrzehnten kolossal weiterentwickelt und vor allem verbessert haben. Dass mit dieser Entwicklung seit unserer Kindheit Annehmlichkeiten wie Möbelhäuser mit Kindergefängnissen, Telefone, die mit Dir sprechen ohne Widerworte zu geben oder Internetze, die Geschichten wie diese hier verbreiten, einher gingen, wird geflissentlich übersehen. Nicht auszudenken, wo die Menschheit ohne diese Errungenschaften stünde. Ein Segen dagegen ihre Existenz.

Aber um auf die namentlich gekennzeichneten Fahrzeuge zurück zu kommen: Es ist womöglich weniger die Tatsache, dass die Namen der Brut an der Heckscheibe prangt, die uns heute stört, sondern eher, dass diese Fahrzeuge augenscheinlich von tollwütig-psychopatischen-Football-Center-Guard ähnlichen Mutanten gesteuert werden. Nicht anders ist das Verhalten beschrifteter Zafiras, Sharans und Co. zu erklären. Es sind die Mütter dieser Nation auf ihrer postnatalen Mission: Sie schützen ihren Nachwuchs mit allen, was sie haben. Der Name auf der Heckscheibe ist dabei die moderne Kriegsbemalung der Kfz-Amazonen.

Unnötig darauf hinzuweisen, dass das in unseren Tagen – damals halt – anders war: Gerieten wir in eine Keilerei, standen unsere Väter drum herum und gaben lautstark Ratschläge, wie wir darin bestehen konnten, während unsere Mütter daheim schon mal das große Brotmesser in den Kühlschrank legten, um unsere Beulen zu kühlen. Wir waren die, die sich tagsüber durch Nachbar’s Kühlschränke naschten und ihnen nachts die Kirschen von den Bäumen aßen. Natürlich kannte man uns.

Ob ich das alles – vor allem mit meinen eigenen Kindern – allerdings noch einmal erleben möchte, wage ich zu bezweifeln. Aber ich werde deshalb keinesfalls meine Kinder mit einem Namenszug an meinem Statussympbol diffamieren. Da kenne ich bessere Wege…

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