"Leben erleben, mit dir, den anderen, und mir"

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Veröffentlicht: 11 Jahren her

Tante ante Portas

Die spannendsten Geschichten sind längst passiert

Sicher. Eigentlich wollte ich schon vor Wochen meine alte Tante angerufen haben. Aber dann ist immer wieder etwas dazwischen gekommen. Dran gedacht habe ich immer wieder, aber den Anruf Tag für Tag, Woche für Woche aufgeschoben.

Glücklicherweise ist meine Tante eine resolute Frau, die dann irgendwann einmal selbst mit ihrem Lieblingsneffen die Geduld verliert und die Initiative ergreift. Folgerichtig klingelte gestern Abend das Telefon. Dran war – natürlich – meine Tante, die sich freundlich erkundigte, wie wir uns denn zuletzt geeinigt hatten: Ob sie sich noch einmal zwecks Terminabsprache melden wollte, oder ob ich das hätte tun wollen?

Sie fragte nicht suggestiv, das hätte ich gleichermaßen berechtigt wie auch offensiv empfunden. Aber sie fragte investigativ und brachte mich arg in Bredouille: Natürlich hatte ich mich melden wollen, und zwar sobald Gelegenheit dazu war. Ich musste ihr gegenüber zugeben, dass derer genügend bestanden hatten, ich es aber – wie eingangs erwähnt – immer wieder verschoben hatte.

Ich also kleinlaut und entschuldigend – sie großmütig und einladend. Das Ergebnis unseres Gespräches: Ich habe heute drei Stunden an ihrem großen Esstisch verbracht, unablässig auf ihr Geheiß hin essend und trinkend und hörte dabei den spannendsten Geschichten zu, die ich mir vorstellen kann: Denen, von früher und von meiner Familie, die niemand außer ihr noch erzählen kann.

Bestimmt werde ich bald wieder zu ihr gehen. Nicht nur wegen Ihrer Geschichten, sondern auch wegen der leckeren Brote, die ich essen durfte und wegen der Katzenzungen, die sie mir zum Ende des Gespräches – wie schon seit 40 Jahren – schenkt.

Wunderbar…

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