"Leben erleben, mit dir, den anderen, und mir"

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Veröffentlicht: 10 Jahren her

Verdammte Zeitmaschinen

Technik-Knecht-ich

So ein Griff zum Handy geht ja eigentlich schnell. Nur mal kurz drauf schauen, ob was gewesen ist. Hat das Handy gerade vibriert? Habe ich einen Anruf verpasst? Geht ja ganz fix…

Eigentlich hatte ich ihn mittlerweile überwunden, den steten Griff zum Handy. Aber in der Zeit, während der ich auf die Nachricht meines Autohändlers wartete, dass er einen passenden Wagen für mich gefunden hätte, habe ich täglich etwa 400 mal auf mein Handy geschaut; fast so, als hätte es das Klingeln vergessen und das Erkennen von Anrufen und Nachrichten meinem Siebten Sinn überlassen.

Natürlich war dort nie ein entgangener Anruf verzeichnet, denn in meiner schier unendlichen Aufmerksamkeit konnte ich schlichtweg keinen Mucks des Telefons verpassen. Unmöglich! Vielmehr wusste ich über den gesamten Zeitraum hinweg genauestens über den jeweiligen Akkustand des Telefons Bescheid.

Der Autokauf letzten Samstag ließ dann schlussendlich Ruhe einkehren. Alles war geregelt, bis das kleine, aber schwerwiegende Malheur mit dem fehlenden Dokument die ganze Sache erneut durchstarten ließ. Fortan sah ich mich wieder im 30 Sekunden-Takt nach dem Telefon greifen, immer in der Sorge, etwas verpasst zu haben.

Es ist ein Kreuz mit der Technik. Da soll sie einem das Leben erleichtern und was macht sie? Sie knechtet uns. Aktuelle Untersuchungen haben beispielsweise ergeben, dass wir – im Vergleich zu dem Leben, was Menschen wie wir vor 40 Jahren gelebt haben, dank der modernen Technik und Kommunikationsmöglichkeiten, viel mehr Zeit haben müssten. Wenn man nur bedenkt wie viel schneller es geht, eine eMail im Vergleich zu einem Brief zu schreiben und zu verschicken – selbst wenn man eine passende Briefmarke im Haus haben sollte! Aber die gewonnene Zeit nutzen wir für andere Dinge, etwa um die theoretisch mit unserem Satelliten-Receiver empfangbare Kanäle alphabetisch zu ordnen oder um Posts von australischen Busch-Aktivisten bei Facebook auf ihren korrekten Zeichensatz hin zu überprüfen.

Ich setze hier und heute einen Schlusspunkt. Ich will meine Zeit zurück haben. Wenn ich mich schon mit den Handys und den iPads und mit wer-weiß-was-noch auseinander setzen muss, dann will ich auch den damit erzielbaren zeitlichen Vorteil nutzen.

Schwierig? Kann sein. Aber ich beginne sofort damit, die Finger vom Handy zu lassen, wenn es nicht klingelt. Ich werde wohl nichts verpassen. Stichwort verpassen: Wann habe ich eigentlich zuletzt geschaut, ob der Händler angerufen hat? Nicht dass ich ihn verpasst habe…? Moment mal…

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