"Leben erleben, mit dir, den anderen, und mir"

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Veröffentlicht: 10 Jahren her

Wenn eins leidet

Brett vorm Kopf

Tag zwei der „ich-habe-einen-Klotz-am-Bein-und-weiß-nicht-wohin-damit-Geschichte.“

Dies vorab: Bevor sich wieder alle Frauen ob meinem „Weh“ und meinem „Ach“ in der irrigen Annahme bestätigt sehen, dass Männer Weicheier sind – ich gebe das vorab zu und wir bleiben Freunde. Ist aber trotzdem doof mit dem Klotz am Bein.

Das Ruhe-halten gestern hat nicht wirklich viel gebracht, der Knöchel schaut heute noch immer aus, wie ein Poller, an dem nachts die ganz großen Pötte im Hafen schlafen. Ich habe mich dennoch entschlossen, der Sache mit der Ruhe eine weitere Chance zu geben. Um dabei nicht gänzlich depressiv zu werden, hänge ich nicht den Dingen nach, die ich jetzt gerade mal nicht machen kann, z.B. den Durchstieg der Eiger-Nordwand im kurzen Schlafanzug oder das Bemalen selbst getöpferter Vasen mit dem Fuß, sondern ich richte mich daran auf, meine mentalen Fähigkeiten zu trainieren.

Zunächst habe ich damit begonnen, mir vorzustellen, wie die Werkzeuge in meiner Werkbank im Keller sortiert sind, in welcher Schublade die Schraubendreher sind, wo die Zollstöcke liegen und wo die kleine Laubsäge aus meinem Kinderwerkzeugkasten wohl abgeblieben ist. Gerade letztere Frage – der ungeklärte Verbleib meiner heiß geliebten Laubsäge verursachte eine gewisse Unruhe in mir, so dass ich beschloss eine andere Mentalaufgabe zu beginnen.

Also versuchte ich mir vorzustellen – und zwar in genau dieser Reihenfolge – , wie die Petersburger Hängung in unserem Treppenhaus wohl am besten zu realisieren wäre und ob es dazu eine geeignete Planungssoftware geben möge, dann, wie sich unser Garten in seiner Anlage weiter entwickeln müsse, damit er eines schönen Tages auch vom Mond aus zu erkennen sei, und zuletzt ob es ein zielführender Lösungsansatz sei, die all umfassende und die Menschheit von allen Sorgen befreiende Formel frei nach Marcus Tullius Tiro in Kurzschrift nieder zu schreiben?

Unschwer zu erkennen, dass das Insektengift ganz offensichtlich nicht nur meinen Knöchel schwellen ließ, sondern auch mein Hirn. Und bevor ich in eine weitere Erörterung über alle möglichen Look-alikes meines in Mitleidenschaft gezogenen Beines antat, bin ich aufgestanden und habe mich im Arbeitszimmer mit (noch) wichtigeren Dingen befasst.  Schließlich muss das ja morgen im Büro auch wieder gehen können.

Klar ist: Aus einem Klotz am Bein wird schnell ein Brett vorm Kopf. Wenngleich ich mich nicht dem Eindruck erwehren kann, dass die beiden verwandt miteinander sind: Wenn eins von beiden leidet, gibt sich das andere als jammernder Hypochonder. Wehe dem, der hier Parallelen zu anwesenden Personen zieht…

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